Wer jetzt hier munteres SPD-Bashing erwartet, tut mir leid euch zu enttäuschen. Das hier brodelte schon die ganzen letzten Tage in mir.
Der Spruch "Wer hat uns verraten... Sozialdemokraten!" geistert die letzten Tage wieder vermehrt durch Twitter, Blogs und Kommentare. Ausgelöst durch den abgeschmetterten Antrag an den SPD-Bundesparteitag und die folgende schnelle Einigung mit der CDU.
Vielleicht haben viele ihre Schulbildung verdrängt oder vergessen, aber dieser Ausspruch ist Teil der Dolchstoß-Legende. Legende deswegen, weil den Sozialdemokraten eine Schuld an der Niederlage im 1. Weltkrieg zugeschoben werden sollte.
Wollt ihr den Begriff immer noch verwenden? Wollt ihr die Situation bei den Internetsperren, bei der die SPD die Chance hatte, die Sperren zu verhindern, tatsächlich mit einem bewussten Versuch der Geschichtsfälschung vergleichen? Ich würde mir andere Vorbilder suchen. Auch wenn der Begriff in Mode ist - ja, auch von Gruppierungen links von der SPD - sollte man nicht alles gedankenlos nachplappern.
Normalerweise sind Blogger doch die ersten, die sich darüber empören, wenn eine Werbeagentur mal wieder einen im sog. "Dritten Reich" verwendeten Spruch als Werbeslogan verwendet. Dann dürfte euch auch interessieren, dass dieser Spruch auch von der NSDAP u.a. zum Wahlkampf verwendet wurde (auf die Schnelle gefundene Quellen hier und hier*).
Tolle Gesellschaft, oder?
Ich kann euren Frust ja zu einem guten Teil nachvollziehen. Nachdenken, bevor man irgendeinen Slogan postet oder weitertwittert, sollte man aber trotzdem.
* Nachtrag: Wie Jo richtig anmerkt, geht es in dem zweiten Link um die Verwendung des Spruchs durch die KPD. Hinweise für die Verwendung in der NS-Zeit finden sich aber z.B. auch in der Datenbank des deutschen historischen Museums und auf einer Denktag-Seite zum Nationalsozialismus im Eutinischen.





Mit dieser Herkunftsgeschichte würde ich dem Slogan nicht per se die Gebrauchsfähigkeit im heutigen Diskurs absprechen.
Auch die Verwendung in der NS-Zeit macht die Verwendung des Slogans vielleicht allenfalls taktisch unklug, nicht aber moralisch bedenklich. Das große Abgreifen und aus dem Kontext Greifen der NS-Propagandamaschine sollte nicht als Rechtfertigung genutzt werden ursprünglich andere und größtenteils valide Aussagen jetzt in den rhetorischen Giftschrank zu bringen.
Ab auf die Schulbank und noch ein wenig an deiner Schulbildung arbeiten.
Zur Erklärung: ich hatte die Links einige Tage vorher gesucht, mich dann aber dann erst einmal dagegen entschieden, etwas zu schreiben. Später habe ich dann aus der Browser-History gesucht und die Seiten nur noch überflogen. Dabei ist mir der dazwischen geraten.
Ich kann dir aber zwei neue Links liefern. um dich zufrieden zu stellen: http://www.dhm.de/datenbank/d2f0/d2f00878.html und http://denktag2006.denktag.de/Der_Fall_Radke.1168.0.html
ich meine,der spruch kam zuerst um 1920 auf und zwar beim "ruhrkampf", bei der die spd den aufstand der arbeiter ("roten ruhr armee") durch reichswehr niederschießen ließ.
http://www.zeitdiagnose.de/startsite.html
wobei auch eine nachfolgend es schon früher den spruch gegeben haben soll... hier ging er wohl aber von einem großen spektrum "links der spd" aus.
http://www.univie.ac.at/iggerm/files/VO%20Literatur%20und%20Politik%20in.rtf
...einfach den text danach durchsuchen lassen...
irgendwo gabs eine gute seite mit herkunft und verwendung dieses spruchs, wie gesagt ,mein das er va. im zusammenhang mit dem ruhrkampf steht...