(Ein wenig) Unterstützung kommt unter anderem vom Familienministerium. Da diese Therapien auch in der Auseinandersetzung um die Internetsperren eine (leider geringe) Rolle gespielt haben, gibt es einige, die sich nun Gedanken über Verschwörungstheorien machen. Hat das Familienministerium die Netzfilter durchgesetzt, weil kein Geld für (mehr) Therapieplätze da ist, während die Kosten für Internetsperren von den Providern getragen werden müssen?
Ich bin der Meinung, dass man für eine Erklärung keine Verschwörungstheorie braucht und stelle hier auch ein, was ich an anderer Stelle geschrieben habe:
Ich finde da braucht man gar keine Verschwörungstheorie.
Die Therapie kostet Geld, Geld das nicht nur in diesem Bereich mehr als knapp ist . Mit einer Therapie kann ich auch keine "Publicity" machen (insbesondere nicht kurzfristig, direkt vor der Wahl). Schließlich werden die Männer ja nicht "geheilt", sondern sollen dabei lernen, sich besser zu kontrollieren.
Also ist die Sache doch ganz klar:
- Mit Netzsperren kann ich in den Medien absahnen, es entsteht der Eindruck, ich würde aktiv etwas gegen Kindesmissbrauch/Kinderpornographie unternehmen (hat in den meisten Medien leider auch sehr lange funktioniert).
- Wenn ich Geld für die Therapie gebe, hilft das zwar vielleicht langfristig, aber nur relativ wenigen Männern. Vielen zu helfen, kostet viel Geld, das ich bei anderen Projekten abziehen muss. Diese Projekte reden schlecht über mich und die Ultrakonservativen in meiner Partei werden mir die Hölle heiß machen (ich befürchte viele in der CDU stehen zu diesen Therapien ähnlich wie zur ärztlich kontrollierten Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige).
- Selbst wenn das Therapieprojekt voll einschlägt, wer sagt mir, dass ich nach der Wahl noch Familienministerin bin? Ich stecke die Prügel dafür ein, im Glanz des Erfolgs kann sich möglicherweise erst mein Nachfolger baden.
- Je höher ich diese Therapie hänge, je mehr Geld das Familienministerium da reinsteckt, desto eher hängt mir BILD im Nacken, falls sich einer der Männer nach der Therapie doch an einem Kind vergeht.
- Mit der Therapie werde ich nie alle Männer erreichen. Selbst wenn damit große Erfolge gefeiert werden, kann man sich die Schlagzeilen in den Boulevardblättern jetzt schon ausmalen, wenn der nächste "große" Fall kommt. Dann kommt wieder der große politische Aktionismus, bei dem sicher nicht mehr Therapieplätze gefordert werden, sondern die üblichen "einfachen Lösungen" (siehe Amokläufe und Killerspiele)...
Das Spiel könnte man noch ewig so weitertreiben... Kühle Berechnung führt dahin, dass die Netzfilter für eine Politikerin kurz vor der Wahl besser sind, da braucht man keine Verschwörungstheorie (die Lobbyarbeit von "Innocence in Danger" kommt dann zu den obigen Punkten noch dazu). Der Weg, der nachhaltig etwas ändern könnte, der Weg, der Courage erfordert, ist ein anderer, klar. Ich befürchte aber auch, dass über alle Parteien hinweg Politiker mit solcher Courage rar gesäht sind.




