Vor-, Nachname, Geschlecht, Beziehungsstatus, Emailadresse, Geburtsdatum, Postadresse, Handynummer und Affinitäten (Hobbies, Sportarten etc.).
Die Erlaubnis zur Weitergabe der Profile läge angeblich vor.
Unsere Mitglieder haben bei der Anmeldung der Weiterverarbeitung ihrer Daten zugestimmt.
Sollten sich die Vorwürfe als zutreffend herausstellen, steht das Verhalten des Betreibers der Portale, der Mainzer on & offline GmbH, im krassen Gegensatz zu der Einwilligung der Nutzer in den bei der Registrierung angezeigten Nutzungsbedingungen.
Dort heißt es:
Persönliche Informationen, die bei der Einschreibung angegeben wurden und nicht Bestandteil des Profils Anzeigen und der
User-Vorstellung sind, können weder von Dritten genutzt, noch übertragen, verkauft oder ausgetauscht werden.
eins.de® kann unter Umständen allgemeine soziodemographische Informationen auf anonymer Basis mit ausgewählten Partnern austauschen, damit diese ihre Anzeigen besser auf die Zielgruppe (nach Kategorien wie Alter, Geschlecht usw.) ausrichten können. In diesen Fällen
übermittelt eins.de® seinen Partnern keine Informationen, die User-Identifikation ermöglichen könnten.
Es wurden aber offenbar trotzdem Daten zum Kauf angeboten, nicht anonymisiert, sondern inkl. aller Details. Damit läge die Tragweite deutlich höher als bei den vor einigen Tagen bekannt gewordenen Datensammlungen bei der VZ-Gruppe. Zwar sind weniger Nutzer betroffen, allerdings geht es hier schließlich nicht nur um die öffentlich einsehbaren Daten, sondern es steht der Vorwurf im Raum, dass alle Profildaten an Dritte weiterverkauft werden.
Sollte es sich nicht als sehr geschickte Kampagne eines Konkurrenten herausstellen, der versucht den Ruf der eins.de-Portale zu ruinieren, dürften den Betreibern schwere Zeiten bevorstehen.
Ich habe per Email beim Landesdatenschutzbeauftragten Rheinland-Pfalz und der On&Offline GmbH sowie bei eins.de nachgefragt, ob ihnen die Vorgänge bekannt sind.
Update 1: Korrektur nach dem Hinweis von Michael van Laar: das Angebot kam per Post, nicht per Email.
Update 2: Beim Marketingblogger ist ein Kommentar von "daniellangenbach" eingetrudelt. Damit stammt der Kommentar vermutlich vom Geschäftsführer von mainz.eins.de, Daniel Langenbach.
Guten Tag Herr van Laar,
guten Tag auch an die Leser dieses Blogs.
In unserem Anschreiben geht es um zwei verschiedene Möglichkeiten:
1.) die Nutzung unserer starken Community für die Marketinginteressen eines dritten. Hierbei führen wir die Maßnahmen durch und die Daten bleiben bei uns.
2.) eine mögliche Beteiligung an den Portalen als Mitbetreiber / Gesellschafter etc. ggf. sogar bis zur kompletten Kauf des Netzwerkes. Letzteres würde selbstverständlich auch die Userdaten beinhalten.
Für weitere Fragen bezüglich des Datenschutzes in diesem Fall können Sie sich gerne an mich persönlich wenden.
Dem gegenüber gestellt mal ein Zitat aus dem Werbebrief (natürlich wieder aus dem Beitrag vom Marketingblogger):
[…] wir sind Betreiber einer der größten national aufgestellten Communities im Internet mit aktuell rund 370.000 registrierten aktiven Benutzern im Alter zwischen 16 und 35 Jahren mit Schwerpunkt Kommunikation und Konsum in diversen Segmenten.
Zum Ausbau Ihres Netzwerkes möchten wir Ihnen unsere Userdaten oder andere Beteiligungs- / Kooperationsmöglichkeiten anbieten.“
Quelle: Werbebrief der on & offline GmbH vom 2009-10-14
Für mich passt der Kommentar nicht mit den Aussagen des Briefes. Auch ob als Mitgesellschafter/Teilhaber ein Zugriff auf die Daten erlaubt wäre, halte ich für gewagt. Es sei denn, dies bezieht sich nur auf die komplette Übernahme. Wieso die On&Offline GmbH hier offenbar Daten der gesamten eins.de-Portale und damit der eins.de GmbH anbietet, steht auf einem anderen Blatt.
Sollte der Kommentator echt sein, wäre zumindest die Echtheit des Briefes bestätigt. Interessant wäre es, den Brief in Gänze zu lesen.
Update 3: Michael van Laar hat mittlerweile den eingescannten Brief hochgeladen. Ich teile seine Einschätzung, dass entweder tatsächlich die Userdaten verkauft werden sollten oder der Brief grob missverständlich formuliert ist. Ungeklärt bleibt weiterhin, warum die On&Offline GmbH die Daten der kompletten eins.de-Gruppe anbieten kann.
Update 4: In den Kommentaren hier und beim Marketingblogger wurde eine Stellungnahme von Dirk Lehmann, Geschäftsführer der eins.de GmbH, gepostet. Auch er gibt an, es handele sich um ein Missverständnis bei einer Suche nach Werbepartnern.
Sollte dies tatsächlich die Absicht sein, ist die Formulierung des Briefes vorsichtig gesagt haarsträubend.
Zum Ausbau Ihres Netzwerkes möchten wir Ihnen unsere Userdaten oder andere Beteiligungs- / Kooperationsmöglichkeiten anbieten.
Bei dieser Formulierung liegt auf der Hand - insbesondere wenn später noch die Zusammensetzung der Datensätze aufgezählt wird - dass der Empfänger davon ausgeht, die Userdaten angeboten zu bekommen.





Die genaue Formulierung, die für mich ganz klar nach Adressverkauf bzw. -miete klingt, lautet übrigens:
„Zum Ausbau Ihres Netzwerkes möchten wir Ihnen unsere Userdaten oder andere Beteiligungs- / Kooperationsmöglichkeiten anbieten.“
So kann sich jeder selbst ein Bild machen. Vielleicht habe ja nur ich etwas missverstanden. Vielleicht geht es anderen aber auch so. Allerdings denke ich in jedem Fall, dass es durchaus sinnvoll wäre, den Brieftext zukünftig abzuändern, um Missverständnisse zu vermeiden.
gerne bringe ich Ihnen hier als Geschäftsführer und Gründer der eins.de GmbH um die Spekulationen wieder zu beenden. Leider haben wir erst heute morgen von Ihrer Anfrage erfahren, ansonsten hätten Sie natürlich schon deutlich früher eine Antwort bekommen:
Die eins.de GmbH als Franchisegeber hat von diesem Brief und dem Angebot keinerlei Kenntnis. Die Userdaten unserer angemeldeten User sind unser wichtigstes Gut und dürfen rechtlich betrachtet nicht veräussert werden, was noch nie der Fall war und auch nicht unsere Absicht ist.
Die Werbetätigkeit im lokalen Bereich obliegt den lokalen Franchisenehmern, die allerdings nicht auf den Datenstamm der ganzen Community zugreifen können und auch vertraglich dazu verpflichtet sind, Datenschutzrichtlinien zu befolgen. Ein Franchisenehmer kann nicht auf den kompletten Datenstamm zugreifen, sondern nur seine Stadt als Marketingplattform benutzen.
Wahrscheinlich wurde der Brief, bei dem es sich meiner Meinung nach um einen Werbeakquisebrief unseres Franchisenehmers für mainz.eins.de handelt, falsch interpretiert.
Hierbei sollen nicht die Adressen verkauft werden, sondern der Vorteil der streuverlustfreien Werbemöglichkeit im lokalen Bereich hervorgehoben werden, bei dem eins.de User nach Selektierung in Form von sozio-demografischer Faktoren interessenkonforme Werbeangebote bekommen.
Unsere User bekommen solche lokalen Mehrwerte in Ihr Postfach gelegt. Die Kommunikation unserer Informationen geschieht über die Datenbank von eins.de. Es wird kein Datensatz unserer User an den Partner übertragen.
Als Beispiel: Ein Fussballschuh wird so nur den Leuten Angeboten, die als Interesse Fussball angegeben haben.
Für weitere Rückfragen stehe ich Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Lehmann
Geschäftsführer eins.de GmbH