Man kann Frau Schweitzer zugestehen, dass recht viel bzw. zu viel aus dem Text zitiert wurde (3 von 9 Absätzen) und so die eigene Leistung in einem deutlichen Missverhältnis zum Zitat steht. Trotzdem würde man bei einer bloggenden Journalistin etwas mehr Wissen über Abläufe im Internet erwarten.
Wenn Konzerne (wie jüngst Jack Wolfskin) abmahnen, anstatt erst eine einvernehmliche Lösung zu suchen, kann ich dies noch einigermaßen nachvollziehen. In vielen Konzernen scheint die Rechtsabteilung ziemlich losgelöst von der PR-Abteilung zu arbeiten. Daher dürfte es noch einige Jahre dauern, bis sich bei den Konzernen die Ansicht durchgesetzt hat, dass eine Abmahnung gegen Blogger oder andere "Davids" eines der letzten Mittel sein sollte.
Als Journalistin, die sich ja offenbar selbst im Netz bewegt, sollte Frau Schweitzer der "David gegen Goliath"-Effekt bekannt sein. Warum hat sie die Sache nicht mit einer kurzen Mail erledigt, der Blog-Autor kürzt die Zitate zusammen und fertig. Immerhin handelt es sich trotz allem um eine Leseempfehlung. Durch ein wohlwollendes Entgegenkommen schafft man unter Umständen treue Anhänger, durch eine Abmahnung ruiniert man meist nur den eigenen Ruf. Von wie vielen Fällen erfährt man nichts, da sie auf diese Weise völlig geräuschlos ablaufen?
Stattdessen wird sie durch die Einschaltung eines Anwalts zum "bösen Goliath". Die Begründungen, die ihr Anwalt für die Abmahnung liefert, sind stellenweise höchst amüsant. Laut Spreeblick müssen unter anderem der Wohnsitz der Autorin in den USA und dass sie "vergleichsweise hohe Honorare" verlange, als Begründung für die Abmahnung herhalten. Deswegen werden dann 1200,- Euro plus 955,- Euro Honorar für den Anwalt fällig. Damit man auf den privaten Blogger so richtig Druck ausübt - und vielleicht um noch etwas mehr Geld herauszuschlagen - schreibt man noch davon, dass man davon ausgehe, dass dort wo eine Rechtsverletzung stattfand, sicher noch mehr versteckt sind. Die habe man zwar noch nicht gefunden, der Blog-Autor könne sich mit weiteren 600,- Euro aber von weiteren Abmahnungen durch Frau Schweitzer quasi freikaufen.
Ich weiß nicht, ob ich diesen Zusatz als dreist oder genial bezeichnen soll, oder ob hier jemand die Bodenhaftung verloren hat. Sicherlich hat der Anwalt insofern recht, dass dort wo es eine Urheberrechtsverletzung gab, oft noch eine weitere vorhanden ist. Für etwas Geld zu verlangen, das möglicherweise existieren könnte, das man aber nicht gefunden hat (oder finden konnte?), ein solches Geschäftsmodell hat etwas (erinnert mich an den - Scherzartikel - eines Trekking-Versandes, der Beutel mit Trockenwasser (heiß bzw- kalt) im Katalog angeboten hat. Einfach nur Wasser einfüllen, schon hat man Wasser...
Wie hoch aber ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Blog-Autor ausgerechnet bei mehreren Texten von Frau Schweitzer zu viel zitiert? Hier erweckt es den Eindruck als würde sich Frau Schweitzer doch "ein wenig" zu wichtig nehmen.
Offenbar gibt es nach dem Spreeblick-Eintrag schon Anzeichen, dass es gegenüber dem Blog-Autor ein Entgegenkommen gibt. Warten wir es ab, Popcorn gibt es in den Kommentaren.
Update: Wie auch schon von Rrrawls in den Kommentaren erwähnt, hat Frau Schweitzer in ihrem Blog in der taz Stellung bezogen. Ich bezweifle allerdings, dass sie sich damit - trotz der Ankündigung der Rücknahme der Abmahnung - einen Gefallen getan hat. Einen weiteren Kommentar spare ich mir und überlasse es jedem, sich selbst ein Bild zu machen.





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Allerdings kann ich auch ihre Position gut verstehen...
Scheint mir kein besonders gutes Konzept zu sein.
Sie erweckt aber zumindest nicht den Eindruck, als ob sie sobald es ihr auffiel, viel dagegen getan hat, dass Blogger betroffen sind.
"Einige meldeten sich bei mir, ich sagte, ruhig, ruhig, mein eigentliches Ziel sind Verlage und kommerzielle Reiseportale... ...Wir einigen uns schon."
Wir einigen uns schon klingt für mich danach, dass die Forderungen "heruntergeschraubt" werden, mehr nicht. Vielleicht soll es auch bedeuten, dass die Blogger nicht zahlen müssen - nur wenn dann ist Frau Schweitzer nicht in der Lage, dies zu kommunizieren. Nur wenn es eine Journalistin nicht schafft, wer dann?
Es gibt glaube ich auch kaum jemanden, der Frau Schweizer das Recht abspricht, ihre Rechte bei kommerziellen Anbietern geltend zu machen. Im Gegenteil, wer weiß, wie die Verlage teilweise freie Journalisten ausnehmen, wird sie dabei unterstützen.
Frau Schweitzer hat es aber nicht geschafft, ihre eigene Opferrolle in den Vordergrund zu stellen. Da sie selbst mit Kanonen auf kleine Blogger schießt, blieb sie in der Bösewicht-Rolle. Hätte sie schnell reagiert und betont, dass die Forderungen gegen die Blogger aufgehoben werden sowie nicht von einem hohen Podest argumentiert, hätte sich die Diskussion evtl. ganz anders entwickeln können. Dann würde die "Blogosphäre" vielleicht über die Ausbeutung durch die (Zeitungs-) Verlage diskutieren, anstatt über eine Journalistin den Kopf zu schütteln, die bei sehr vielen Beobachtern einen sehr arroganten Eindruck hinterlässt.
Das hätte wohl jeder eingesehen und die meisten hätten ihren jeweiligen Empörungsartikeln ein wohlwollend relativierendes Update hinterhergeschoben.