Allerdings war da doch was. Der Preis für die Bahncard sollte doch ab Mitte Dezember erhöht werden, noch vor Ablauf meiner alten Bahncard. Laut Bedingungen für die Bahncard steht mir ein 4-wöchiges Sonderkündigungsrecht zu. Hatte mich die Bahn bereits über die Preiserhöhung informiert? Soweit ich mich erinnern konnte, nein.
Etwas später - knapp 4 Wochen vor Ablauf der alten Bahncard - trudelte schon die Bahncard bei mir ein. Kein Wort von einer Preiserhöhung. Erst einige Tage später (interessanterweise zeitgleich mit der Rechnung für die neue Bahncard, auf der - wen wundert es noch - auch keine Mitteilung davon zu finden ist, dass sich der Preis erhöht hat und mir ein Sonderkündigungsrecht zusteht) flattert ein Prospekt der Bahn ins Haus. Auf der Rückseite steht in einem "persönlichen" Anschreiben etwas von einem 10,- Euro Gutschein für Mitfahrer, von der Bahncard-Kreditkarte, Prämien, Punkte sammeln. Kein Wort von einer Preiserhöhung.
Auf der Front prangt der Schriftzug:
Für Sie machen wir Wünsche wahr [sic!]
Öffnet man den Prospekt, findet man auf der letzten Seite - unter dem Punkt "Neuigkeiten von der Bahn" [sic!] den Hinweis auf die Preiserhöhung und das Sonderkündigungsrecht. Gleichzeitig wird auch auf eine Änderung der Bedingungen für die Bahncard hingewiesen, dort fehlt der Hinweis auf das Sonderkündigungsrecht aber.
Ein Blick zurück auf den Brief mit der neuen Bahncard lässt erkennen, dass hier offenbar (nach Vergleich mit der Version im Internet, ein Datum/Stand fehlt auf dem Ausdruck) noch die alten Bedingungen abgedruckt sind, die für die versandte Bahncard aber gar nicht mehr gültig sein werden
Ins Auge sticht dabei der Absatz:
Im Falle von Änderungen wird das Verkehrsunternehmen diese dem Reisenden rechtzeitig mitteilen. Ist der Reisende mit den Änderungen nicht einverstanden, so kann er das Vertragsverhältnis innerhalb von 4 Wochen nach Zugang der Mitteilung schriftlich gegenüber dem BahnCard-Service kündigen. In diesem Fall verlängert sich die Geltungsdauer der BahnCard 25/BahnCard 50 nicht. Macht der Reisende von seinem Kündigungsrecht keinen Gebrauch, so werden die geänderten Bedingungen mit Zusendung der neuen BahnCard 25/ BahnCard 50 wirksam. Hierauf wird das Verkehrsunternehmen in seiner Mitteilung den Reisenden jeweils hinweisen.
Mit Zusendung der neuen Karte werden also die neuen Bedingungen wirksam. Unpraktisch, wenn man von den geänderten Bedingungen zu diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis hat, oder? Außerdem fehlt genau der Hinweis, dass die geänderten Bedingungen mit Zusendung der neuen Karte wirksam werden. (im übrigen tragen die hier einsehbaren Bahncard-Bedingungen das Datum 3. August 2009. Ich erinnere mich nicht, über eine Änderung informiert worden zu sein. Doch wer weiß, in welcher Broschüre es sich versteckt hat...)
Fassen wir also mal zusammen: die Bahn versendet Preiserhöhungen an Bestandskunden versteckt in einem Prospekt, verharmlost - wenn nicht gar irreführend - als "Neuigkeiten". Die neuen Bedingungen bekommt ein Bahncard-Kunde - zumindest in der Übergangsphase - ohne eigenes zutun gar nicht zu Gesicht. Bei einer Änderung der Bahncard-Bedingungen diese dem Kunden in der neuen Fassung mitzusenden, scheint die Bahn nicht als nötig zu empfinden - es könnte ja auch die Aufmerksamkeit der Kunden auf die Änderungen/Preiserhöhung lenken.
Natürlich kann man sagen, die Preiserhöhungen gingen doch durch die Presse. Ja, gingen sie. Ich habe damals auch schon von der Bahncard-Preiserhöhung erfahren. Trotzdem will ich als Kunde über Änderungen meines Vertrages rechtzeitig (!) informiert werden. In einem Brief, der klar als Mitteilung zu erkennen ist, nicht versteckt in einer Werbebroschüre. Transparente Preisänderungen scheinen für die Bahn ein Fremdwort zu sein. Kein Mobilfunkprovider, Versicherungskonzern oder keine Bank würde es wagen (oder damit durchkommen), eine Preiserhöhung z.B. in einem Newsletter "hübsch zu verpacken" und auf die Gültigkeit der Preiserhöhung zu setzen. Ungewollt denkt man ein anderes Geschäftsmodell, das auf ähnliche Weise Preise "kommuniziert": die berühmten Abofallen.
Ich bezweifle auch, dass dieses vorgehen in einem Großkonzern ein "Versehen" ist. Wie viele Kunden werden den Hinweis auf die Preiserhöhung nie zu Gesicht bekommen, schlicht und einfach da sie in einer Werbebroschüre nicht damit rechnen und diese ungelesen im Papierkorb landet?
Es wird Zeit, dass die Bahn ernsthafte Konkurrenz bekommt, vielleicht beginnt sie ja dann, sich mehr auf die Kunden einzulassen. Darauf wetten würde ich nicht. Zu hoffen ist, dass die neue Regierung tatsächlich Fernbuslinien zulässt und der Bahn Wettbewerb von neuer Seite droht.
Ich auf jeden Fall werde - nach telefonischer Rückfrage beim Service - meine Bahncard mit der entsprechenden Sonderkündigung (sicherheitshalber wohl lieber per Einschreiben) zurücksenden und bin froh, nicht 230,- € für etwas zu bezahlen, das ich nicht nutzen werde. Manchmal ist das Glück wohl doch mit den Dummen!




