Das Blog daten-speicherung.de wirft der Deutschen Telekom AG die illegale Herausgabe von Verbindungsdaten vor. Diese dürfen nur nach richterlicher Anordnung herausgegeben werden. Die Telekom nach einer von dem Blog anonymisiert vorgelegten PDF-Datei die Daten aber in einer Art von vorauseilendem Gehorsam auf eine Anfrage der Staatsanwaltschaft herausgegeben, bei der es nur um die Ermittlung des Anschlussinhabers einer IP-Adresse ging.
Die Daten gingen dazu noch nur äußerst dürftig geschützt per Mail durchs Netz: als passwortgeschützte Zip-Datei - das Passwort war ein vierstelliges Wort, offensichtlich in jedem Wörterbuch auffindbar und somit in kürzester Zeit knackbar.
Ausführlich auf daten-speicherung.de.
Wednesday, 3. September 2008
Blog wirft Telekom illegale Herausgabe von Verbindungsdaten vor
EU will größte Fingerabdruckdatenbank der Welt aufbauen
Das Europaparlament hat heute den biometrischen Kontrollen im Rahmen des Visa-Informationssystems [VIS] zugestimmt. Damit müssen ab 2009 alle aus visumpflichtigen Staaten Einreisende ihre Fingerabdrücke abgeben, allerdings kann zu Stoßzeiten auch nur stichprobenartig kontrolliert werden. Es wird dann geprüft, ob die Fingerabdrücke mit den im Visum angegebenen übereinstimmen. Die genommen Fingerabdrücke werden 5 Jahre lang gespeichert.
Binnen 10 Jahren soll so die größte Fingerabdruckdatenbank der Welt entstehen.
Via dem Virtuellen Datenschutzbüro und ORF Futurezone.
Binnen 10 Jahren soll so die größte Fingerabdruckdatenbank der Welt entstehen.
Via dem Virtuellen Datenschutzbüro und ORF Futurezone.
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Monatsbrennpunkt des BSI: RFID
Der Brennpunkt des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) befasst sich in diesem Monat mit RFID, der "Radio Frequency Identification".
Im Brennpunkt finden sich Informationen zur Geschichte, zum Einsatz sowie zu Chancen und Risiken der RFID-Technologie, unter anderem auch im ePass.
Wer sich informieren will, findet den Schwerpunkt hier.
Im Brennpunkt finden sich Informationen zur Geschichte, zum Einsatz sowie zu Chancen und Risiken der RFID-Technologie, unter anderem auch im ePass.
Wer sich informieren will, findet den Schwerpunkt hier.
Googles Browser Chrome - neuer Browser mit individueller ID (Update 8.9.)
Googles neuer Browser Chrome ist im Moment ja in aller Munde. Gestern veröffentlicht beherrscht der auf der Safari-Engine Webkit basierende Browser heute alle Technikseiten der Zeitungen und Onlinemagazine.
Oft stehen nicht nur die Features wie die von Google angepriesene Schnelligkeit, die in einzelnen Prozessen gestarteten Tabs oder der "Inkognito-Modus". Direkt wurden Warnungen vor der Marktmacht Googles laut. Sicherlich, der Browser allein macht es nicht. Die Marktmacht Googles ergibt sich vor allem aus dem Suchmaschinengeschäft (für Deutschland gehen die meisten Seiten von einem Marktanteil von mindestens 90% aus) - und der vielen Felder, in denen Google mitterweile aktiv ist. Google Mail als Freemailprovider, Google Text und Tabellen, die Google Desktop-Suche, das in den USA bereits gestartete Google Health (Gesundheitsdaten/-akten) bei Google hinterlegen, Google Maps/Earth, YouTube, usw.
Der entscheidende Punkt dürfte sein, nicht zu vergessen dass es sich bei Google um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt. Dann muss man sich die Frage stellen, warum Google einen Browser herausbringt. Sicher nicht aus philanthropischen Motiven, sondern um etwas zu erreichen. Die meisten Kommentatoren vermuten, dass Googles Browser vor allem als Angriff auf Microsoft zu verstehen ist. Die Überlegung ist zumindest naheliegend, schließlich hat Microsoft immer noch mit deutlichem Abstand den höchsten Marktanteil bei den Browsern (man könnte es auch als eine Art Retourkutsche verstehen: Microsoft versuchte erfolglos Yahoo zu übernehmen, ein Angriff auf Googles Kerngeschäft der Internetsuche. Nun geht Google auf den Internet Explorer los. Sicherlich ist Chrome schon länger in Entwicklung. Reizvoll ist der Gedanke aber trotzdem...
). Einige vermuten sogar, dass Chrome auf lange Sicht die Betriebssysteme attackieren soll, indem nach und nach immer mehr der Google-Applikationen wie Google Text und Tabellen auch offline eingebunden werden sollen.
Golem.de meldet mittlerweile, dass jeder installierte Chrome eine eigene, einzigartige ID bekommt. Diese lässt sich zwar deaktivieren, aber wie viele Menschen werden das tun? Wie viele werden überhaupt etwas von dieser ID erfahren? Praktisch - für Google - denn so lassen sich alle Benutzeraktionen, Sucheingaben, die Suchvervollständigung usw. immer auf einen Benutzer zurückführen. Hat man bei der "normalen" Suche noch das Problem wechselnder IPs, mit Chrome wird Googles Traum wahr. Wer Werbung möglichst personenbezogen einblenden will, kann normalerweise von solch einer Fülle von Daten nur träumen...
Es sollte sich also jeder gut überlegen, ob er/sie Chrome installiert. Das mindeste sollte sein, die Anmerkung zum Datenschutz durchzulesen.
P.S. Wie es es bei einem neuen Browser fast nicht anders zu erwarten ist, wurden die ersten Schwachstellen laut heise.de auch schon in Chrome gefunden.
Update 8. September 2008: Mittlerweile meldet heise.de erste Exploits für die Sicherheitslücke. Ein weiterer Artikel widmet sich dem Thema Datenschutz und Google Chrome.
Auch ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik hat vor Chrome gewarnt, aus Datenschutzgründen und da viele Menschen den Beta-Status der Software nicht erkennen würden.
Oft stehen nicht nur die Features wie die von Google angepriesene Schnelligkeit, die in einzelnen Prozessen gestarteten Tabs oder der "Inkognito-Modus". Direkt wurden Warnungen vor der Marktmacht Googles laut. Sicherlich, der Browser allein macht es nicht. Die Marktmacht Googles ergibt sich vor allem aus dem Suchmaschinengeschäft (für Deutschland gehen die meisten Seiten von einem Marktanteil von mindestens 90% aus) - und der vielen Felder, in denen Google mitterweile aktiv ist. Google Mail als Freemailprovider, Google Text und Tabellen, die Google Desktop-Suche, das in den USA bereits gestartete Google Health (Gesundheitsdaten/-akten) bei Google hinterlegen, Google Maps/Earth, YouTube, usw.
Der entscheidende Punkt dürfte sein, nicht zu vergessen dass es sich bei Google um ein gewinnorientiertes Unternehmen handelt. Dann muss man sich die Frage stellen, warum Google einen Browser herausbringt. Sicher nicht aus philanthropischen Motiven, sondern um etwas zu erreichen. Die meisten Kommentatoren vermuten, dass Googles Browser vor allem als Angriff auf Microsoft zu verstehen ist. Die Überlegung ist zumindest naheliegend, schließlich hat Microsoft immer noch mit deutlichem Abstand den höchsten Marktanteil bei den Browsern (man könnte es auch als eine Art Retourkutsche verstehen: Microsoft versuchte erfolglos Yahoo zu übernehmen, ein Angriff auf Googles Kerngeschäft der Internetsuche. Nun geht Google auf den Internet Explorer los. Sicherlich ist Chrome schon länger in Entwicklung. Reizvoll ist der Gedanke aber trotzdem...
Golem.de meldet mittlerweile, dass jeder installierte Chrome eine eigene, einzigartige ID bekommt. Diese lässt sich zwar deaktivieren, aber wie viele Menschen werden das tun? Wie viele werden überhaupt etwas von dieser ID erfahren? Praktisch - für Google - denn so lassen sich alle Benutzeraktionen, Sucheingaben, die Suchvervollständigung usw. immer auf einen Benutzer zurückführen. Hat man bei der "normalen" Suche noch das Problem wechselnder IPs, mit Chrome wird Googles Traum wahr. Wer Werbung möglichst personenbezogen einblenden will, kann normalerweise von solch einer Fülle von Daten nur träumen...
Es sollte sich also jeder gut überlegen, ob er/sie Chrome installiert. Das mindeste sollte sein, die Anmerkung zum Datenschutz durchzulesen.
P.S. Wie es es bei einem neuen Browser fast nicht anders zu erwarten ist, wurden die ersten Schwachstellen laut heise.de auch schon in Chrome gefunden.
Update 8. September 2008: Mittlerweile meldet heise.de erste Exploits für die Sicherheitslücke. Ein weiterer Artikel widmet sich dem Thema Datenschutz und Google Chrome.
Auch ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik hat vor Chrome gewarnt, aus Datenschutzgründen und da viele Menschen den Beta-Status der Software nicht erkennen würden.
Bundesdatenschutzbeauftragter kritisiert Datenhandel der Meldebehörden
In einem Interview in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung hat der Bundesdatenschutzbeauftrage Peter Schaar die Praxis von Meldeämtern kritisiert, die Meldedaten an Firmen zu verkaufen. Dies sei besonders problematisch, da die Daten zwangsweise erhoben werden. Außerdem würden von den Unternehmen nicht nur die Adressen von Schuldnern erhoben, sondern oftmals die gesamten Adressbestände abgefragt, weitergegeben und bei den Firmen selbst gespeichert und gesammelt. Peter Schaar forderte mindestens ein allgemeines Widerspruchsrecht der Bürger. Dieses gebe es zur Zeit nur in Ausnahmefällen, z.B. bei Bedrohung.
Peter Schaar wiederholte auch seine Forderung nach Änderung der gesetzlichen Regelungen, so dass die Verbraucher der Weitergabe ihrer Daten aktiv zustimmen müssten.
Peter Schaar erhofft sich vom morgigen "Datenschutz-Gipfel" mit Innenminister Schäuble konkrete Verbesserungen für den Datenschutz.
Das komplette Interview findet sich hier im Onlineauftritt der WAZ.
Peter Schaar wiederholte auch seine Forderung nach Änderung der gesetzlichen Regelungen, so dass die Verbraucher der Weitergabe ihrer Daten aktiv zustimmen müssten.
Peter Schaar erhofft sich vom morgigen "Datenschutz-Gipfel" mit Innenminister Schäuble konkrete Verbesserungen für den Datenschutz.
Das komplette Interview findet sich hier im Onlineauftritt der WAZ.
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Tuesday, 2. September 2008
Von der Schwierigkeit, ein Geheimnis zu bewahren
Gerade eben lese ich auf Spiegel Online mal wieder so einen Artikel, der nur Kopfschütteln hervorrufen kann.
Ein großes "Meinungsblatt" mit 4 Buchstaben konnte es nicht lassen, trotz Nachrichtensperre Details über die Todesumstände der in Leipzig entführten Michelle zu veröffentlichen.
Natürlich, es ist die Aufgabe von Journalisten, über Dinge zu berichten. Oft ist es auch notwendig, über Dinge zu berichten, die noch nicht bekannt sind oder von gewissen Kreisen als geheim angesehen werden (man denke an die BND-Abhörskandale). Aber jeder Journalist sollte auch moralische Grenzen haben. In diesem Fall hat die Nachrichtensperre ja gute Gründe, man möchte kein "Täterwissen" preis geben, um so bessere Chancen zu haben, den Täter zu ermitteln. Gerade bei Fällen von entführten Kindern, die vielen Leuten (noch?) nahe gehen, sollte man sich beherrschen können.
Aber auch hier scheint der Druck für einige wenige zu groß zu sein - der Druck, andere könnten schneller sein und anstelle einem selbst "15 Minuten Ruhm" ernten...
Ein großes "Meinungsblatt" mit 4 Buchstaben konnte es nicht lassen, trotz Nachrichtensperre Details über die Todesumstände der in Leipzig entführten Michelle zu veröffentlichen.
Natürlich, es ist die Aufgabe von Journalisten, über Dinge zu berichten. Oft ist es auch notwendig, über Dinge zu berichten, die noch nicht bekannt sind oder von gewissen Kreisen als geheim angesehen werden (man denke an die BND-Abhörskandale). Aber jeder Journalist sollte auch moralische Grenzen haben. In diesem Fall hat die Nachrichtensperre ja gute Gründe, man möchte kein "Täterwissen" preis geben, um so bessere Chancen zu haben, den Täter zu ermitteln. Gerade bei Fällen von entführten Kindern, die vielen Leuten (noch?) nahe gehen, sollte man sich beherrschen können.
Aber auch hier scheint der Druck für einige wenige zu groß zu sein - der Druck, andere könnten schneller sein und anstelle einem selbst "15 Minuten Ruhm" ernten...
Friday, 6. June 2008
Kanal Telemedial droht der Lizenzentzug
Ein Gruß an alle “telemedialen Freunde” (nein, nicht den echten, sondern an die kritischen Beobachter des “Esoterik-Teleshoppingsenders)! Das “Aufsichtsbehördle” bringt frohe Kunde:
Meinem persönlichen (aktuellen) Tiefpunkt des Fernsehens könnte bald das Licht ausgeknipst werden. Allerdings (leider) nicht wegen der Inhalte, der Grund des Bescheids der österreichischen Kommunikationsbehörde (KommAustria) ist viel banaler: Kanal Telemedial besitzt eine österreichische Lizenz. Für diese ist aber - etwas vereinfacht - Voraussetzung, dass die Firma auch tatsächlich in Österreich sitzt bzw. zumindest die Programmentscheidungen in Österreich getroffen werden. “Dummerweise hat” Kanal Telemedial dies über mehr als ein Jahr nicht getan und somit der KommAustria eine Steilvorlage gegeben. Wer über längere Zeit postalisch in Österreich nicht erreichbar ist und auch keine (Fernseh-) Techniker am (laut Lizenz offiziellen) Sendeort Wien beschäftigt, ist aber auch wirklich selbst schuld.
Der Bescheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig, aber zumindest Hoffnung besteht. Wer sich genauer informieren möchte, findet den Bescheid als PDF auf der Seite der österreichischen Regulierungsbehörde zum Download.
Spekulieren dürfen wir natürlich darüber, ob die KommAustria den Lizenzentzug aufgrund der “Österreich-Verweigerung” von Kanal Telemedial nur als schnellstes Mittel angesehen hat, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Hoffentlich hat die KommAustria auch noch einen Trumpf im Ärmel, falls die Entscheidung doch noch kassiert werden sollte. Lassen wir uns überraschen, wie Thomas G. Hornauer darauf reagieren wird. Wenn eine seiner berühmten Beschimpfungsarien folgt, könnte Kanal Telemedial in den nächsten Tagen ganz besonders interessant werden.
Ein Lichtstreif am Horizont.
Meinem persönlichen (aktuellen) Tiefpunkt des Fernsehens könnte bald das Licht ausgeknipst werden. Allerdings (leider) nicht wegen der Inhalte, der Grund des Bescheids der österreichischen Kommunikationsbehörde (KommAustria) ist viel banaler: Kanal Telemedial besitzt eine österreichische Lizenz. Für diese ist aber - etwas vereinfacht - Voraussetzung, dass die Firma auch tatsächlich in Österreich sitzt bzw. zumindest die Programmentscheidungen in Österreich getroffen werden. “Dummerweise hat” Kanal Telemedial dies über mehr als ein Jahr nicht getan und somit der KommAustria eine Steilvorlage gegeben. Wer über längere Zeit postalisch in Österreich nicht erreichbar ist und auch keine (Fernseh-) Techniker am (laut Lizenz offiziellen) Sendeort Wien beschäftigt, ist aber auch wirklich selbst schuld.
Der Bescheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig, aber zumindest Hoffnung besteht. Wer sich genauer informieren möchte, findet den Bescheid als PDF auf der Seite der österreichischen Regulierungsbehörde zum Download.
Spekulieren dürfen wir natürlich darüber, ob die KommAustria den Lizenzentzug aufgrund der “Österreich-Verweigerung” von Kanal Telemedial nur als schnellstes Mittel angesehen hat, um dem Übel Einhalt zu gebieten. Hoffentlich hat die KommAustria auch noch einen Trumpf im Ärmel, falls die Entscheidung doch noch kassiert werden sollte. Lassen wir uns überraschen, wie Thomas G. Hornauer darauf reagieren wird. Wenn eine seiner berühmten Beschimpfungsarien folgt, könnte Kanal Telemedial in den nächsten Tagen ganz besonders interessant werden.
Ein Lichtstreif am Horizont.
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Monday, 26. May 2008
Kanal Telemedial oder Es geht immer noch schlimmer (Update 5.6.)
So ziemlich jedes Jahr (mindestens!) einmal hat man in punkto Fernsehen das Gefühl: es kann doch eigentlich nicht schlimmer werden. Ohne groß nachzudenken erinnere ich mich an (in wahlloser Reihenfolge) Nachmittags-Talkshows (Stichwort: Ich-entblöße-mich-vor-allen oder Wie-lässt-sich-das-gleiche- Thema-unter-zig-Mottos-verkaufen), Big Brother, diverse Clip-Sendungen (teilweise sieht man Leute, die weiter mit der Kamera drauf halten, wenn ihr Kind irgendwo gegen knallt, anstatt dem Kind zu helfen…), Deutschland sucht den Superstar, Call-In-Sendungen… (ich vergesse bestimmt vieles…
)
Samstag war es bei mir wieder einmal so weit. Ich versuche mich jetzt auch zu bessern und gehe ab jetzt davon aus, dass es immer schlimmer werden wird. Aber, ich sollte von vorne anfangen…
Samstag Abend zappe ich in der Werbepause durch die Programme und bleibe auf dem Programmplatz hängen, auf dem tagsüber der Kinderkanal läuft. Ein Trommeln ist zu hören, zu sehen sind ein paar ineinandergeblendete Menschen, eine Kerze. Das alleine wirkt auf mich schon komisch, hängen bleibe ich aber an dem Text, der unten durchs Bild läuft.
Telemedial stellt sich als Free Pay TV-Sender aus (ich bin mir nicht sicher, ob das Wort fair nicht auch noch vorkam). Man wurde als Zuschauer aufgefordert, einen “Energieausgleich” zu leisten. Will heißen, Telemedial überträgt angeblich gute Energie und der Zuschauer revanchiert sich mit seinem Bankkonto (bzw. seinem Telefonhörer). Ein Abend Telemedial schlägt dann mit 15 Euro zu Buche, es gibt aber auch die Möglichkeit für einen ganzen Monat zu bezahlen. Telemedial zeigt sich auch sozial engagiert, es gibt auch einen Tarif für sozial Schwache - und zwischendrin für sozial schwache Raucher.
In der nächsten Werbepause sitzen dann einige Personen ziemlich unmotiviert auf dem Sofa. Es redet eigentlich nur einer, Thomas G. Hornauer. Seine Begleiterinnen scheinen nur Deko zu sein, nur eine Person ergreift ab und zu das Mikro. Allerdings, wenn es um Deko geht, hätte man vielleicht auch andere Personen auswählen sollen - aber das ist ein anderes Thema…
Telemedial ist schon fast verstörend. Das Erscheinen ist unprofessionell, unvorbereitet. Ständig entstehen Pausen, die Kameras sind selbst im Bild. Vermutlich würde es jeder besser machen, der mal ein paar Wochen Praktikant bei einem (richtigen) Sender war. Die Zuschauer werden aufgefordert, doch anzurufen und mitzureden (auf einer Hotline für 2 Euro die Minute), einige lesen ihre selbstverfassten Gedichte los und werden von Thomas G. Hornauer teilweise ewig in der Leitung gehalten… Zwar geht der Counter (”TIM”) der “Spender” nicht nach oben, aber es wird bestimmt Menschen geben, die ihr Geld loswerden werden…
Letztlich ist der Sender das bisher perfideste Beispiel Geld zu machen. Ich schwimme auf der Esoterik-Welle, verkaufe “Energie” über das Fernsehen und gebe mir noch nicht Mal die Mühe den Eindruck zu erwecken, etwas dafür zu leisten (wenn gleich bei anderen Sendungen “Leistungen” wie Karten legen ebenso zweifelhaft sind - aber sie tun wenigstens so als ob…)
Während ich das hier schreibe läuft im Hintergrund der Live-Stream von Telemedial. In gewisser Weise ist der Sender wirklich fesselnd, weil man nicht fassen kann, dass es so etwas tatsächlich gibt. Noch schlimmer, dass es Menschen gibt, die ihr Geld dafür zum Fenster herauswerfen… Im Moment wird gerade diskutiert, anscheinend hat man ein paar Jugendliche (Gothics) eingesammelt, um über das Thema Kurzsichtigkeit und Ignoranz der Gesellschaft (letztlich aber über das Thema Religion und Übersinnliches) zu diskutieren. So wie der Großteil der Teilnehmer ist auch das Niveau der Diskussion, mit viel gutem Willem gymnasiale Oberstufe (eine Teilnehmerin musste übrigens mitten in der Diskussion nach Hause…
).
Auch wenn es für die Jugendlichen wohl eine tolle Möglichkeit für 15 Minuten Ruhm ist (oder wie sie es ausdrücken, eine Chance ist ihre Lebensweise als Gothic darstellen zu können), wenn man so einfach Geld machen kann, sollte ich mir auch mal Gedanken machen. Im Netz finden sich übrigens einige Blogs zum Sender, auch der Wikipedia-Artikel bietet einen guten Einstieg. Ein Blog, das “Aufsichtsbehördle” hat es wohl sogar zu so eine Art “Erzfeind” gebracht und wird namentlich in den Sendungen erwähnt… Wenn man dann mal die Youtube-Ausschnitte durchwühlt, kann man es immer weniger nachvollziehen, dass so etwas senden darf - beim analogen Satellitenempfang sogar auf dem gleichen Kanal wie der Kinderkanal. Eine (geringe) Hoffnung bleibt: ein paar Zeitungsartikeln zu Folge hat Thomas G. Hornauer massive finanzielle Probleme und könnte nur mit einer Millionenspende überleben. Hoffen wir, dass es stimmt und dass diese Spende ausbleibt - oder die zuständige österreichische Medienaufsicht doch noch ein Einsehen hat…
Ich gelobe nun öffentlich Besserung. Was Fernsehen angeht, geht es immer schlimmer. Ja, auch schlimmer als Telemedial, da bin ich mir sicher. Irgend jemand wird eine Idee und das nötige Kleingeld haben. Ich bin gespannt, was sich uns als nächstes bieten wird…
Update 5.06.08: Auch der Journalist und Blogger Stefan Niggemeier hat Kanal Telemedial einen Beitrag gewidmet.
Samstag war es bei mir wieder einmal so weit. Ich versuche mich jetzt auch zu bessern und gehe ab jetzt davon aus, dass es immer schlimmer werden wird. Aber, ich sollte von vorne anfangen…
Samstag Abend zappe ich in der Werbepause durch die Programme und bleibe auf dem Programmplatz hängen, auf dem tagsüber der Kinderkanal läuft. Ein Trommeln ist zu hören, zu sehen sind ein paar ineinandergeblendete Menschen, eine Kerze. Das alleine wirkt auf mich schon komisch, hängen bleibe ich aber an dem Text, der unten durchs Bild läuft.
Telemedial stellt sich als Free Pay TV-Sender aus (ich bin mir nicht sicher, ob das Wort fair nicht auch noch vorkam). Man wurde als Zuschauer aufgefordert, einen “Energieausgleich” zu leisten. Will heißen, Telemedial überträgt angeblich gute Energie und der Zuschauer revanchiert sich mit seinem Bankkonto (bzw. seinem Telefonhörer). Ein Abend Telemedial schlägt dann mit 15 Euro zu Buche, es gibt aber auch die Möglichkeit für einen ganzen Monat zu bezahlen. Telemedial zeigt sich auch sozial engagiert, es gibt auch einen Tarif für sozial Schwache - und zwischendrin für sozial schwache Raucher.
In der nächsten Werbepause sitzen dann einige Personen ziemlich unmotiviert auf dem Sofa. Es redet eigentlich nur einer, Thomas G. Hornauer. Seine Begleiterinnen scheinen nur Deko zu sein, nur eine Person ergreift ab und zu das Mikro. Allerdings, wenn es um Deko geht, hätte man vielleicht auch andere Personen auswählen sollen - aber das ist ein anderes Thema…
Telemedial ist schon fast verstörend. Das Erscheinen ist unprofessionell, unvorbereitet. Ständig entstehen Pausen, die Kameras sind selbst im Bild. Vermutlich würde es jeder besser machen, der mal ein paar Wochen Praktikant bei einem (richtigen) Sender war. Die Zuschauer werden aufgefordert, doch anzurufen und mitzureden (auf einer Hotline für 2 Euro die Minute), einige lesen ihre selbstverfassten Gedichte los und werden von Thomas G. Hornauer teilweise ewig in der Leitung gehalten… Zwar geht der Counter (”TIM”) der “Spender” nicht nach oben, aber es wird bestimmt Menschen geben, die ihr Geld loswerden werden…
Letztlich ist der Sender das bisher perfideste Beispiel Geld zu machen. Ich schwimme auf der Esoterik-Welle, verkaufe “Energie” über das Fernsehen und gebe mir noch nicht Mal die Mühe den Eindruck zu erwecken, etwas dafür zu leisten (wenn gleich bei anderen Sendungen “Leistungen” wie Karten legen ebenso zweifelhaft sind - aber sie tun wenigstens so als ob…)
Während ich das hier schreibe läuft im Hintergrund der Live-Stream von Telemedial. In gewisser Weise ist der Sender wirklich fesselnd, weil man nicht fassen kann, dass es so etwas tatsächlich gibt. Noch schlimmer, dass es Menschen gibt, die ihr Geld dafür zum Fenster herauswerfen… Im Moment wird gerade diskutiert, anscheinend hat man ein paar Jugendliche (Gothics) eingesammelt, um über das Thema Kurzsichtigkeit und Ignoranz der Gesellschaft (letztlich aber über das Thema Religion und Übersinnliches) zu diskutieren. So wie der Großteil der Teilnehmer ist auch das Niveau der Diskussion, mit viel gutem Willem gymnasiale Oberstufe (eine Teilnehmerin musste übrigens mitten in der Diskussion nach Hause…
Auch wenn es für die Jugendlichen wohl eine tolle Möglichkeit für 15 Minuten Ruhm ist (oder wie sie es ausdrücken, eine Chance ist ihre Lebensweise als Gothic darstellen zu können), wenn man so einfach Geld machen kann, sollte ich mir auch mal Gedanken machen. Im Netz finden sich übrigens einige Blogs zum Sender, auch der Wikipedia-Artikel bietet einen guten Einstieg. Ein Blog, das “Aufsichtsbehördle” hat es wohl sogar zu so eine Art “Erzfeind” gebracht und wird namentlich in den Sendungen erwähnt… Wenn man dann mal die Youtube-Ausschnitte durchwühlt, kann man es immer weniger nachvollziehen, dass so etwas senden darf - beim analogen Satellitenempfang sogar auf dem gleichen Kanal wie der Kinderkanal. Eine (geringe) Hoffnung bleibt: ein paar Zeitungsartikeln zu Folge hat Thomas G. Hornauer massive finanzielle Probleme und könnte nur mit einer Millionenspende überleben. Hoffen wir, dass es stimmt und dass diese Spende ausbleibt - oder die zuständige österreichische Medienaufsicht doch noch ein Einsehen hat…
Ich gelobe nun öffentlich Besserung. Was Fernsehen angeht, geht es immer schlimmer. Ja, auch schlimmer als Telemedial, da bin ich mir sicher. Irgend jemand wird eine Idee und das nötige Kleingeld haben. Ich bin gespannt, was sich uns als nächstes bieten wird…
Update 5.06.08: Auch der Journalist und Blogger Stefan Niggemeier hat Kanal Telemedial einen Beitrag gewidmet.
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Friday, 16. May 2008
Web 2.0 vs. Opferschutz
Eine Sache, die mir bei der Berichterstattung über den Inzestfall in Amstetten sauer aufgestoßen ist, war der Umgang mit den Klarnamen des Täters/der Opfer sowie ein Google-Maps-Ausschnitt mit der Straße des Tatorts auf Spiegel Online - interessanterweise (oderr besser zynischerweise) in einem Artikel mit dem Titel: "Fall Amstetten: Inzest-Opfern droht Dauerbelagerung".
Den vollen Namen des Hauptopfer Elisabeth F. fand ich das erste Mal in einem Artikel, in dem alle anderen Namen noch abgekürzt waren, damals offensichtlich noch ein Versehen. Wenig später begann Spiegel Online aber damit, den Namen in allen Artikeln auszuschreiben. Vermutlich ging man davon aus, dass mittlerweile andere Medien den Namen oft genug breitgetreten hatten. Bei einer Suche auf Spiegel Online fand ich den vollen Namen auch in früheren Artikeln - in allen englischen Artikeln über den Fall.
Ich frage mich dabei, ob der Pressekodex nicht auch für englischsprachige Artikel eines deutschen Mediums gilt. Mit den Richtlinien zu Ziffer 8 des Pressekodexes ist eine Namensnennung meiner Meinung nach nicht vereinbar. Dort heißt es unter anderem:
Schon bevor Spiegel Online damit begann die vollen Namen zu verwenden, fand sich in dem oben verlinkten Artikel ein Ausschnitt aus Google Maps, der die Straße des Tatorts kennzeichnet. Als besonderen Service für alle Sensationshungrigen und Gaffer dazu noch ein Foto der Front des Hauses. Perfekt, die Reise nach Amstetten kann man damit planen, ohne sich auch nur ein wenig anzustrengen. Straße und Ort ins Navi und ab geht's, das richtige Haus findet sich ja dann vor Ort.
Pressekodex... war da irgendwas? Nochmal aus den Richtlinien zu Ziffer 8 des Pressekodexes:
Man stelle sich das mal vor: in der Nachbarschaft geschieht ein Verbrechen, das große öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Sowas zieht immer Neugierige an, klar. Wenn jemand gräbt, habe ich auch keine Zweifel, dass man irgendwie rauskriegen kann, wo genau ein Verbrechen stattgefunden hat, ohne dass es ihm per Google Maps unter die Nase gehalten wird. Veröffentlichen die Medien aber Kartenausschnitte so muss man sich eben nicht mehr die Mühe machen, die Hemmschwelle sinkt, die Zahl der Gaffer steigt.
Hat man nun noch ein Verbrechen (ähnlich wie in anfangs Amstetten), bei dem es zumindest unklar ist, ob die Nachbarn nicht etwas hätten merken müssen, wird die Sache perfekt. Ich warte dann schon mal auf die ersten eingeschlagenen Fenster, beschmierten Hauswände oder Ähnliches - wobei ja noch zu hoffen bleibt, dass nicht jemand völlig durchdreht und sich zum Rächer der Opfer aufschwingt...
Es lebe das Web 2.0.
P.S. Es war zwar auch nicht zu erwarten, aber der Vollständigkeit halber: auf einen Leserbrief und eine unter dem Stichwort Lob/Kritik an die Redaktion von Spiegel Online kam keine Antwort.
Den vollen Namen des Hauptopfer Elisabeth F. fand ich das erste Mal in einem Artikel, in dem alle anderen Namen noch abgekürzt waren, damals offensichtlich noch ein Versehen. Wenig später begann Spiegel Online aber damit, den Namen in allen Artikeln auszuschreiben. Vermutlich ging man davon aus, dass mittlerweile andere Medien den Namen oft genug breitgetreten hatten. Bei einer Suche auf Spiegel Online fand ich den vollen Namen auch in früheren Artikeln - in allen englischen Artikeln über den Fall.
Ich frage mich dabei, ob der Pressekodex nicht auch für englischsprachige Artikel eines deutschen Mediums gilt. Mit den Richtlinien zu Ziffer 8 des Pressekodexes ist eine Namensnennung meiner Meinung nach nicht vereinbar. Dort heißt es unter anderem:
Richtlinie 8.1 - Nennung von Namen/Abbildungen
(1) Bei der Berichterstattung über Unglücksfälle, Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren ... veröffentlicht die Presse in der Regel keine Informationen in Wort und Bild, die eine Identifizierung von Opfern und Tätern ermöglichen würden. Mit Rücksicht auf ihre Zukunft genießen Kinder und Jugendliche einen besonderen Schutz. Immer ist zwischen dem Informationsinteresse der Öffentlichkeit und dem Persönlichkeitsrecht des Betroffenen abzuwägen.
(3) Bei Familienangehörigen und sonstigen durch die Veröffentlichung mittelbar Betroffenen, die mit dem Unglücksfall oder der Straftat nichts zu tun haben, sind Namensnennung und Abbildung grundsätzlich unzulässig.
Schon bevor Spiegel Online damit begann die vollen Namen zu verwenden, fand sich in dem oben verlinkten Artikel ein Ausschnitt aus Google Maps, der die Straße des Tatorts kennzeichnet. Als besonderen Service für alle Sensationshungrigen und Gaffer dazu noch ein Foto der Front des Hauses. Perfekt, die Reise nach Amstetten kann man damit planen, ohne sich auch nur ein wenig anzustrengen. Straße und Ort ins Navi und ab geht's, das richtige Haus findet sich ja dann vor Ort.
Pressekodex... war da irgendwas? Nochmal aus den Richtlinien zu Ziffer 8 des Pressekodexes:
Richtlinie 8.2 - Schutz des Aufenthaltsortes
Der private Wohnsitz sowie andere Orte der privaten Niederlassung, wie z. B. Krankenhaus-, Pflege-, Kur-, Haft- oder Rehabilitationsorte, genießen besonderen Schutz.
Man stelle sich das mal vor: in der Nachbarschaft geschieht ein Verbrechen, das große öffentliche Aufmerksamkeit erregt. Sowas zieht immer Neugierige an, klar. Wenn jemand gräbt, habe ich auch keine Zweifel, dass man irgendwie rauskriegen kann, wo genau ein Verbrechen stattgefunden hat, ohne dass es ihm per Google Maps unter die Nase gehalten wird. Veröffentlichen die Medien aber Kartenausschnitte so muss man sich eben nicht mehr die Mühe machen, die Hemmschwelle sinkt, die Zahl der Gaffer steigt.
Hat man nun noch ein Verbrechen (ähnlich wie in anfangs Amstetten), bei dem es zumindest unklar ist, ob die Nachbarn nicht etwas hätten merken müssen, wird die Sache perfekt. Ich warte dann schon mal auf die ersten eingeschlagenen Fenster, beschmierten Hauswände oder Ähnliches - wobei ja noch zu hoffen bleibt, dass nicht jemand völlig durchdreht und sich zum Rächer der Opfer aufschwingt...
Es lebe das Web 2.0.
P.S. Es war zwar auch nicht zu erwarten, aber der Vollständigkeit halber: auf einen Leserbrief und eine unter dem Stichwort Lob/Kritik an die Redaktion von Spiegel Online kam keine Antwort.
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