zuerst einmal muss ich mich outen: ja, ich spiele Online-Rollenspiele. Welche(s), darüber schweige ich mich hier aus, um nicht dieses Blog nicht zum Spielball unterschiedlicher Fraktionen zu machen (wer auf der Suche danach ist, dem sei z.B. ein beliebiger Artikel über Online-Rollenspiele auf Golem.de ans Herz gelegt).
Aufgrund meines Interesses informiere ich mich hin und wieder über die Preise einiger am Markt erhältlicher Spiele und ihrer Erweiterungen. Unter anderem auch auf Ihrer Seite. Erstaunt stellte ich vor kurzem fest, dass die "Herr der Ringe Online"-Erweiterung Die Minen von Moria auf Ihrer Seite nur noch knapp 20 Euro kostet, fast 10 Euro billiger als noch vor einigen Wochen. Erst auf den zweiten Blick stellte ich fest, dass es sich bei diesem Preis gar nicht um den amazon.de-Preis handelt, sondern dies der Preis eines Marketplace-Anbieters ist - zuzüglich Versandkosten.
Ich bin erstaunt, dass Sie nun Marketplace-Anbietern Vorzug vor Ihren eigenen Preisen einräumen. Wie ich mich kenne ist das vermutlich aber ein alter Hut - und ich bin nur mal wieder einer der letzten, der es mitbekommt. Nun frage ich mich, warum tun Sie das?
Ich habe mich per Email an einen Ihrer Mitarbeiter gewandt, dieser erklärte mir den Vorgang so:
In der Angebotsbox erscheint meistens das Angebot mit dem günstigsten Preis. Gegebenenfalls können aber auch andere Auswahlkriterien wie zum Beispiel die Verfügbarkeit des Produktes bei dem Anbieter die Auswahl für die Angebotsbox beeinflussen. Es kann also vorkommen, dass Amazon.de nicht an erster Stelle steht.
Ich setze einmal voraus, dass Sie marktwirktschaftlich handeln, sonst wäre Ihre Firma wohl kaum so groß geworden. Wenn nun also ein Marketplace-Anbieter zum Einkauf voreingestellt wird, bedeutet dies doch, dass Sie mit Provisionen aus den Verkäufen mehr verdienen, als wenn Sie selbst das Spiel verkaufen und ausliefern.
Vielleicht können Sie mir ja erklären, wie es ein Händler schafft, so billig einzukaufen, dass er deutlich unter Ihrem Preis verkauft, Ihnen eine Provision zahlt und dabei noch Gewinn macht. Mich verwundert es ein wenig, insbesondere da ich davon ausgehe, dass Sie bei Ihren Verkaufszahlen doch einen höheren Mengenrabatt aushandeln können müssten.
Ich frage mich aber auch, ob Sie über den Reinverdienst hinaus gedacht haben. Noch ein weiteres Zitat aus der Mail Ihres Mitarbeiters:
Auf diese Weise möchten wir sicherstellen, dass unsere Kunden bei Amazon.de stets das bestmögliche Angebot eines Artikels finden.
Ich finde es schön, dass Sie für mich das "bestmögliche" Angebot finden können. Ich frage mich nur, wie Sie für mich entscheiden wollen, nach welchen Kriterien ich ein Angebot als "bestmöglich" beurteile.
Ich bin wohl kaum der einzige Käufer, der sich über den Preis hinaus Gedanken darüber macht, bei welchem Anbieter er kauft. Wenn es mir nur um den Preis geht und ich den billigsten Anbieter will, gehe ich zu Preissuchmaschine XY und bestelle beim Anbieter A. Dort kann ich dann in aller Ruhe Impressum, AGB, Versandbedingungen und Datenschutzerklärung prüfen und mich dann entscheiden, ob ich dort bestellen kann.
Schaut man bei dem verlinkten Artikel mal den Anbieter an, sieht man zwar zum überwiegenden Teil gute Bewertungen, oftmals aber auch den Hinweis auf lange Versandzeiten - oder sogar, dass anstatt Neuware ein gebrauchtes Spiel versendet wurde (was bei einem Onlinespiel bedeutet, dass man ein mehr oder weniger wertloses Stück CD-Plastik erhalten hat).
Oder aber die Datenschutzerklärung:
Datenschutzrichtlinien
****** sichert die Vertraulichkeit Ihrer persönlichen Daten.
Siehe Datenschutzerklärung von Amazon.de
Toll, diese Datenschutzerklärung ist der Brüller. Der letzte Satz samt dem Link wird übrigens wohl standardmäßig eingefügt und enthält letztlich nur einen Unterpunkt zu Marketplace-Anbietern. In diesem wird zwar festgelegt, dass die Marketplace-Anbieter die Kundeninformationen allein zur Erfüllung ihrer Aufgaben verwenden dürfen. Trotzdem erfüllt mich diese Datenschutzerklärung nur bedingt mit Vertrauen.
Ich frage mich, wie viele Kunden Ihre Bestellung im Glauben tätigen, Sie würden direkt bei Ihnen bestellen. Wie viele sich dann evtl. über Versandkosten wundern - mit etwas Glück noch vor Abschicken der Bestellung.
Ich werde dies nun weiter beobachten. Sollte diese Einstellung Standard werden, werde ich Ihr Unternehmen nicht mehr nutzen. Wenn ich Unsicherheit darüber haben will, ob die bestellte Ware tatsächlich kommt, ob sie sich plötzlich verspätet oder gar nicht der Angebotsbeschreibung entspricht, kann ich mich einer Preissuchmaschine und eines x-beliebigen Anbieters bedienen.
Freundliche Grüße
Stefan Pfeil





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