Offenbar sind die Politiker von einer Protestwelle überrollt worden.
Ich würde aber mal vermuten, dass der Protest kein Vergleich zu dem ist, was wegen der Internetsperren auf die Koalition herabprasselt (auch wenn es für die Paintballer um alles oder nichts ging). Nur bei diesen hat sich die Regierung wohl schon zu weit reingeritten, insbesondere nach dem Vertrag mit den Providern gibt es keinen leichten Ausweg mehr.
Frustrierend bleibt trotzdem, dass ein (meiner Meinung nach) weniger wichtiger Punkt abgewimmelt wurde, während die Koalition bisher wenig Neigung zeigt, sich bei den Internetsperren zu bewegen.
Vielleicht sollte man versuchen daraus einige Lehren zu ziehen*:
Protest gegen solch unsinnige Gesetzesvorhaben sollte unmittelbar nach den ersten Presseberichten massiv (!) starten. Möglicherweise wäre die Debatte gegen Internetsperren anders verlaufen, wenn sofort nach der ersten Ankündigung von Frau von der Leyen massiv im Netz mobil gemacht worden wäre. Ein Grund, warum das Ganze so langsam anlief war vielleicht auch, dass zuerst nur ein Vertrag vorgesehen war und kein Gesetz. Aber spätestens an dieser Stelle hätte der Protest massiv werden müssen. Natürlich ist so etwas einfacher als gesagt, da es einige Zeit benötigt, bis die Menschen sich über ein Vorhaben informiert haben und vor allem die Tragweite erkannt haben. Aber wenn es die Netzgemeinde nicht schaffen kann, Leute schnell zu informieren, wer dann?
Es hat auch lange gedauert, bis ein griffiger Slogan da war. Lange wurde sich vor allem auf den Begriff Zensur gestürzt, der es den Politikern leicht gemacht hat und bei Beobachtern Skepsis bis Unverständnis erzeugt hat. Erst heute haben FoeBud und MOGIS den Slogan verkündet:
Handeln statt Wegschauen: Löschen statt Sperren!
Es ist natürlich immer sehr einfach, als Außenstehender und im Nachhinein Kritik zu äußern. Aber verdammt nochmal, warum hat das so lange gedauert? Natürlich, wie der FoeBud schreibt: "Viele Menschen haben am Motto mitdiskutiert." Trotzdem hat es Wochen (gefühlte Monate) gedauert, bis der AK Zensur, sich auf ein Motto geeinigt hat (ich gehe einfach mal davon aus, dass es sich um ein gemeinsames Motto handelt, wenn 2 der Mitglieder es veröffentlichen). Im AK Zensur sind die wohl bekanntesten und wichtigsten Kritiker der Internetsperren zusammengeschlossen. Die öffentliche Diskussion wäre wohl ein gutes Stück einfacher gewesen, wenn es ein gemeinsames Motto deutlich früher gegeben hätte.
Die Überlegung muss weiter gehen: warum gibt es noch kein kurzes PDF, das die wichtigsten Kritikpunkte zusammenfasst? Natürlich müsste so etwas immer wieder aktualisiert/angepasst werden, aber warum nicht?
Vielleicht steigere ich mich da gerade in etwas hinein, aber auf mich wirkt die Netzgemeinde etwas träge. Vielleicht krankt es da auch an der Koordination bzw. dass jeder mitreden will, aber seid doch mal ehrlich, wenn man die Politik stoppen will, muss es schneller gehen...
Ein paar Thesen:
- Die Netzgemeinde ist recht spät wirklich aktiv geworden und hat lange nur "im eigenen Saft" diskutiert. Viel früher hätten die Politiker angeschrieben werden müssen und auf Abgeordnetenwatch ausdauernd befragt werden müssen.
- Es gibt kein zentrales, kurzes Positionspapier. Natürlich ist das Thema sehr komplex, würde man stichwortartig Forderungen, Argumente (mit vielen Links) auf 1-2 Seiten packen, wäre das sehr hilfreich
- Die Versteifung auf das Wort Zensur hat die Diskussion erschwert und Unverständnis erregt. Der Name AK Zensur erschwert meiner Einschätzung nach auch die Presseberichterstattung in den klassischen Medien.
- Es wurde versäumt, mit einer Stimme zu sprechen. Wenn z.B. der AK Zensur eine Pressemeldung herausgebracht hätte, mit ein paar pointierten Forderungen und einem kurzen Info-PDF (1-2 Seiten), die von allen Mitgliedern des AKs gespiegelt worden wäre - mit der Aufforderung an alle Blogs, die Erklärung ebenfalls zu spiegeln und zu verlinken, hätte man vielleicht viel früher Aufmerksamkeit erregt. Auch wenn jeder Blogger gerne seine eigene Meinung sagen will, wäre das ein Punkt, bei dem (für eine wichtige Sache) ein Unterordnen sich lohnen würde.
- Die Petition hat auch Potential verschenkt. Sie war ja wohl eine recht spontane Idee, was man auch an der sparsamen Begründung merkt. Es war eine sehr gute Idee. Trotzdem wäre eine ausführliche, ausgewogene Begründung deutlich besser gewesen. Hätte man ein Positionspapier bereits gehabt, hätte man es auch hier verwenden können. Zugegeben, an Petitionen hat vermutlich niemand gedacht, eben weil sie kaum Wirkung haben. Eine frühzeitige hätte wohl auch nicht die (mediale) Wirkung gehabt, trotzdem sollte man in Zukunft an sowas denken - muss aber aufpassen, dass sich Petitionen als Mittel nicht (noch mehr?) abnutzen.
Ich denke, man hätte die Politik hier viel mehr treiben können. Ich nehme mich (als nun wirklich winziges Lichtlein
Das sind vielleicht Punkte, den man in Zukunft im Auge behalten sollte.
* Mir ist vollkommen klar, dass die Themen nicht so einfach vergleichbar sind. Auf der anderen Seite sind sie es eben doch, weil sowohl bei Amokläufen wie auch jetzt beim Kampf gegen Kinderpornographie mit Symbolpolitik geantwortet wird.




Kommentare