Die Wahl der Sonstigen
Normalerweise spielen sie an Wahlabenden keine Rolle, die Sonstigen. Aber bei dieser Europawahl gab es neben den sechs im Parlament vertretenen noch 26 weitere Parteien, die auf dem Wahlzettel standen. Zusammen genommen erreichen sie ungefähr genau so viel wie beim letzten Mal: 10,6 Prozent. Und keine einzige dieser Parteien kommt deutlich über die zwei Prozent hinaus, die freien Wähler, die etwa zwei Prozent erreichen dürften, sind vermutlich die stärksten in diesem Kreis.
Was zeigt das? Dass die Unentschiedenheit vieler Wähler dazu führt, dass man lieber einer unbekannten Partei die Stimme gibt als einer altvertrauten. Immerhin sprechen wir über jeden neunten Wähler.
Es mag der Hektik des Wahlabends zuzuschreiben sein und der Art, wie diese Blogeinträge entstehen. Trotzdem (und ich hatte mich schon heute morgen per Twitter darüber geärgert), finde ich den Blogeintrag äußerst unpassend und
Es geht mir vor allem um diesen einen Satz:
Dass die Unentschiedenheit vieler Wähler dazu führt, dass man lieber einer unbekannten Partei die Stimme gibt als einer altvertrauten.
Mit dem Begriff "Unentschiedenheit" schwingt mit, dass die Wähler ihre Stimme "richtig" gesetzt hätten, wenn sie informiert gewesen wären. "Richtig" in diesem Zusammenhang wäre dann eine etablierte Partei. Damit wäre auch jede Partei-Neugründung "für die Katz", schließlich sollten die Menschen ja nur für die "richtigen", etablierten Parteien stimmen.
Wer sagt denn, dass es sich um Unentschiedenheit handelt? Ich denke, die Sache liegt etwas anders: die Europawahl ist für viele von nachrangiger Bedeutung. Daher dürfte die Bereitschaft höher sein, mit einer Stimme mal "ein Zeichen" zu setzen, "Protest" zu wählen, auszuprobieren und kleine Parteien zu unterstützen, die durch ihre geringe Größe besser bestimmte Zielgruppen ansprechen können. Mal ganz davon abgesehen, dass Jörg Schönenborn heute im Morgenmagazin selbst davon sprach, dass geringe Wahlbeteiligung die kleinen Parteien bevorzugt.
Übrigens, die "sonstigen Parteien" haben um 0,9% zugelegt. Die Piratenpartei hat 0,9% erreicht. Zufall? Ja! Trotzdem dürften nach dem trampelhaften Verhalten von CDU und SPD in den letzten Wochen einige Stimmen aus der "Netzgemeinde" an die Piraten gegangen sein. Zu einem Teil sicher vorherige Nichtwähler, zum anderen sicher von den "etablierten" Parteien, schließlich haben sich Grüne und FDP (siehe Silvana Koch-Mehrin) auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Viele der Stimmen für die Piraten werden auch weniger auf der Forderung nach freier Kopierbarkeit digitaler Inhalte beruhen, als mehr der Kompetenz für Datenschutz und informationelle Selbstbestimmung, die man der Piratenpartei zutraut.





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